Wie kam unser ER in die Welt der Lust und Leidenschaft? Es gleicht etwas einem Klischee, aber so war es: In einer langen Ehe, in der der Haussegen schließlich komplett schief hing und Fremdgehen durch die Partnerin zur Normalität wurde, war es ein letzter verzweifelter Versuch, die Ehe zu retten. Spoiler: Ohne Erfolg.
Der Gedanke, wir gehen zusammen in Clubs damit jeder auf seine Kosten kommt und nichts mehr heimlich gemacht wird, klingt vielleicht nachvollziehbar, war aber die denkbar schlechteste Ausgangslage.
Die Ehe öffnen um sie zu retten: Vergesst es!
Steht man in seiner Beziehung an dem Punkt, an dem das Vertrauen weg ist, wird man sie durch das Öffnen der Ehe auch nicht mehr retten. Aber gut, hinterher ist man immer schlauer. Denn was ich für mich gelernt habe: Für den gemeinsamen Schritt in diesen Bereich sind die Kommunikation und das Vertrauen die wichtigsten Punkte. Sind diese nicht mehr gegeben, solltet ihr es lassen und erst daran arbeiten, am besten mit professioneller Hilfe wie Paartherapeuten. Oder, auch das kann sehr heilsam sein, einen endgültigen Schlussstrich ziehen.

Das erste Mal im Swingerclub: Die typischen Fragen
Aber auch aus Fehlern kann etwas gutes entstehen und so lernte unser ER seine Leidenschaft zunächst für das Swingen kennen. Denn als ER mit seiner damaligen Partnerin das erste Mal einen Swingerclub besucht hat, fand er sich an einem Punkt wie viele von euch vielleicht heute auch: Wo sucht man einen Club, wie findet man einen und was zieht man an?
Naja, Google wird es schon richten dachte ER, suchte einen möglichst weit entfernten Swingerclub, sah sich die vermeintlich seriöse Seite an, telefonierte mit dem Besitzer und kaufte in einem Erotikladen ein passendes Outfit.
Auf der Hinfahrt sprach man mehr schlecht als recht über Regeln für den Abend und Erwartungen. Geprägt war die Unterhaltung allerdings immer noch Diskussion von verletzten Gefühlen und Misstrauen. Daher nochmal eindringlich die Warnung: KEINE gute Idee aus so einer Situation heraus in einen Swingerclub zu gehen!
150 km fahren um Nachbarn zu treffen
Im Club angekommen, stellte man als erstes fest, dass trotz 150 km Entfernung viele Kennzeichen auf die Heimat hinwiesen. Grundsätzlich SEIN Tipp: Sucht euch für den ersten Clubbesuch etwas aus, was zu euch passt, schaut nach Mottos und Gästen, aber weniger nach der Entfernung.
Es kann und wird egal wo ihr hingeht immer mal sein können, dass ihr Leute trefft, dir ihr kennt. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn die sind ja genau aus den selben Gründen da wie ihr 😉. Und Diskretion wird in der Szene große geschrieben, also macht euch keinen Kopf.
Aber zurück zu meinem ersten Abend in einem klassischer Swingerclub. Tja, die Homepage hatte schon mal gelogen oder mindestens maßlos übertrieben. Der Club war zwar sauber, aber doch sehr in die Jahre gekommen und hätte dringend einige Renovierungen benötigt und die neue Möbel ebenso. Also die Idee einfach Google zu nutzen und nach der tollsten Homepage zu suchen war schonmal der erste Reinfall.
HÜ für Anfänger? Schwierig!
Das zweite was uns nicht klar war: Wir hatten ein Event mit einem HÜ Motto gebucht.
HÜ steht in der Szene für Herrnüberschuss, sodass an diesem Abend ca. vier Paare und bestimmt 40 Männer anwesend waren. Für einen ersten Besuch als Paar absolute Überforderung.
Verloren saß man an der Theke und ein anderes Paar hat uns mitleidig angesehen und in ein Gespräch verwickelt, und jetzt kommt eine wichtigste Erkenntnis: Generell sind die Menschen im Swingerbereich sehr offen und hilfsbereit. Also erzählte das Paar von ihren Anfängen, ihren Erlebnissen und stellte uns Joyclub vor. Eine Plattform nur für diesen Bereich. Dass man dort die Möglichkeiten hat gezielt nach Clubs zu suchen, Veranstaltungen und eben auch nach Gästelisten. Das war dann auch das beste an diesem Abend, der recht schnell endete.
Aber mit der Anmeldung im Joyclub war der erste wirkliche Schritt in die Szene geschafft.

Joyclub als Door Opener
Nun fanden wir bei Joy die Möglichkeit, Gleichgesinnte kennenzulernen, die ersten Paardates, die ersten richtigen Club Erfahrungen und eine Reise in die Welt der Lust zu starten.
Obwohl die Ehe zum Scheitern verurteilt war, weder Kommunikation oder Vertrauen noch besonders toll waren, kam etwas zurück in die Beziehung nämlich der Spaß an Sex und Leidenschaft. Das hat unseren ER nachhaltig verändert. Bedürfnisse und Phantasien, die teilweise Jahrzehnte geschlummert hatten oder unterdrückt wurden, wurden wieder entdeckt. Generell hat er seine Sexualität dadurch neu entdeckt und definiert, sodass der Schritt ins Swingen, auch wenn er die Ehe nicht retten konnte, ihm trotzdem etwas Nachhaltiges gegeben hat.
Als Single Mann in der Swingerwelt
Springen wir drei Jahre weiter, nachdem die Ehe endgültig gescheitert war. ER hat sich entschieden den Joyclub allein als Single Mann zu erkunden. Nicht einfach, denn Single Männer gibt es dort – wie auf jeder Datingplattform – mehr als genug. Für ihn war es trotzdem eine sehr spannende und befriedigende Zeit, wenn man sich an Netiquette hält und mit einer charmanten Art von sich zu überzeugen weiß. Und übrigens auch die Profile der Damen liest, die man anschreibt…
Es war eine Zeit, in der er auch die ersten richtigen Erfahrungen in der Welt des BDSM gesammelt hat, viele sexuelle Erfahrungen und Praktiken ausprobiert und für sich selbst festgestellt hat, was er möchte und was nicht. Zum Thema BDSM geht es aber nochmal speziell in diesem Beitrag.
ER hat beispielsweise einen starken Voyeur Fetisch, den er im Club gerne auslebt und es stört ihn auch überhaupt nicht, wenn andere zuschauen, ganz im Gegenteil. Spoiler Alert: Hier sind SIE und ER übrigens ziemlich konträr, weil IHR das schauen bei anderen gar nichts gibt. Aber dazu mehr bei IHREM Einstieg.
Tja, und so verbrachte ER eine recht vergnügliche Zeit als Single Mann, entwickelte sich weiter aber merkte irgendwann, dass er bereit wäre für eine echte neue Beziehung. Und als er schließlich als Dom eine neue Sub suchte, trat SIE in sein Leben…





